Prinzip
Aktiver Umgang mit „inaktivem Geschäft“
Run-off ist grundsätzlich in den versicherungstechnischen Rückstellungen aller Versicherungsgesellschaften enthalten. Unabhängige Marktexperten sprechen von einem geschätzten Run-off-Volumen von über 200 Mrd. Euro in Europa. Eine aktuelle Umfrage unter Versicherungsunternehmen zeigt allein im deutschsprachigen Raum ein Run-off-Volumen von 115 Mrd. Euro (Erst- und Rückversicherung; nur Schaden-Unfallver-sicherung). Somit sind in den letzten drei Jahren die Rückstellungen für inaktives Geschäft in der Bilanz um 72% gestiegen. Ein Beweis, dass ein proaktiver Umgang mit Run-off unerlässlich ist.
Versicherungsunternehmen widmen diesem Thema zunehmend mehr Aufmerksamkeit: Laut der Umfrage werden derzeit 45 Mrd. Euro an Rückstellungen, die Run-off-Geschäft betreffen, aktiv verwaltet oder stehen unter Beobachtung. Gegenüber 2007 ist das ein Zuwachs von 181%.
Run-off und Solvency II
Das Thema Run-off hat in den letzten drei Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Denn: Mittlerweile stehen rund 30 Prozent der Schadenrückstellungen keine Prämieneinnahmen mehr gegenüber. Knapp ein Drittel aller versicherungstechnischen Rückstellungen betreffen somit Geschäft, das nicht mehr aktiv vom Versicherungsunternehmen betrieben
wird. Untersuchungen in den Jahren 1996 bis 2007 wiesen hier noch eine konstante Relation von rund 20 Prozent auf. Bei den meisten Run-off-Portfolios handelt es sich typischerweise um lang abwickelndes Geschäft, sogenannte Longtail-Sparten. In diesem Bereich können sich das Auftreten und die Abwicklung von Schäden über mehrere Jahre hinziehen.
Mit der Einführung von Solvency II Anfang 2013 wird von Versicherungsunternehmen verlangt, Schadenreserven mit Eigenkapital zu unterlegen. Das Problem: je langwieriger und je volatiler das Schadenpotenzial, desto höher ist die Eigenkapitalunterlegung. Das hat zur Folge, dass inaktives Geschäft mehr Eigenkapital in Anspruch nehmen wird als aktives Geschäft. Ein Anstieg des Run-off-Volumens ist daher mit einem deutlich erhöhten Bedarf an Eigenkapital verbunden. Eigenkapital, das über Jahre gebunden wird.
Gründe für Run-off
Die Gründe für die Entstehung von Run-off bzw. die Einstellung von Versicherungsgeschäft sind vielfältig: eine schlechte Ergebnisentwicklung in bestimmten Sparten, eine kritische Schadenentwicklung, die Konzentration auf das Kerngeschäft, die Einstellung des Auslandsgeschäfts oder als Folge der Marktkonsolidierung eine Neuausrichtung vor oder nach Akquisitionen und Übernahmen. Daraus resultierendes inaktives Geschäft muss in der Bilanz eines Versicherers mit versicherungstechnischen Rückstellungen berücksichtigt werden.
Neue Anforderungen vs. übliche Instrumente
Die Entwicklung der wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen stellt die Versicherungswirtschaft vor neue Herausforderungen:
Das niedrige Zinsniveau und die Entwicklung der Aktienmärkte gehen einher mit volatileren Jahresüberschüssen durch IFRS und einer erhöhten Aufmerksamkeit von Rating-Agenturen. Ab 2013 fordert Solvency II zudem die dezidierte Eigenkapitalunterlegung auf beiden Seiten der Bilanz.
Versicherungsunternehmen treten diesen Anforderungen mit der aktiven Suche nach einer Eingrenzung des Run-off-Volumens gegenüber. Die bisher üblichen Instrumente reichen jedoch oft nicht aus. Denn: Versicherer haben nur bedingt die Möglichkeit, die Bilanz zu entlasten. Eine Verbriefung erfordert sehr große Volumina und ein geeignetes Marktumfeld, eine Ablösung („Commutation“) ist Rückversicherern vorbehalten.
Hier bietet die DARAG einen Lösungsansatz: Wir sind auf die vollständige Übernahme und die sachgerechte Abwicklung von Schadenreserven spezialisiert und übernehmen Run-off in die eigene Bilanz. Dadurch ermöglichen wir dem abgebenden Versicherungsunternehmen, das Run-off-Volumen zu reduzieren oder vollständig abzugeben.


